Jagd und Tolling

Das Tolling

Toller sind Jagdhunde, die ursprünglich für eine ganz besondere Form der Jagd gezüchtet wurden: das Tolling. Doch wie genau kann man sich das vorstellen?

Hund und Hundeführer bewegen sich ruhig, geduckt und in engem Kontakt zum Gewässer, auf dem sich Federwild befindet. Dabei nutzen sie die natürliche Deckung und legen immer wieder Pausen ein, um von den Wasservögeln möglichst nicht entdeckt zu werden. Gemeinsam suchen sie eine natürliche oder künstliche Blende auf – beispielsweise einen Schilfgürtel oder ein tarnfarbenes, gespanntes Netz –, hinter der sie sich zurückziehen können.

Nun beginnt das eigentliche Tolling: Aus der Deckung heraus wirft der Hundeführer Spielzeuge in unterschiedlichen Höhen, Richtungen und mit verschiedenen Wurfarten. Die Wasservögel können den Menschen nicht sehen, werden jedoch auf den kleinen, lebhaft hin und her springenden roten Hund aufmerksam. Ihre Neugier ist geweckt, und sie nähern sich zunehmend dem Uferbereich.

Zwischendurch wird der Toller hinter der Blende abgelegt. Von dort aus kann der Hundeführer beobachten, wie sich das Wild nähert und ob es sich möglicherweise bereits in Schussnähe befindet. Der Toller muss dabei innerhalb kürzester Zeit zwischen ausgelassenem, ausdauerndem Spiel und vollkommener Ruhe und Gehorsam wechseln können.

In der Regel sind mehrere solcher Sequenzen notwendig, um die Wasservögel anzulocken – und natürlich ist das Tolling nicht immer erfolgreich. Befindet sich das Wild schließlich in Schussnähe, wird der Toller neben der Blende mit Blick auf das Gewässer platziert und das Wild geschossen.

Der Hund kann das erlegte Stück entweder sehen oder zumindest hören, wie es ins Wasser fällt. Auf Kommando wird er anschließend ins Wasser geschickt, um das Stück zuverlässig zu apportieren und seinem Hundeführer in die Hand zu bringen.

Das Tolling verlangt dem Toller damit eine außergewöhnliche Kombination aus Bewegungsfreude, Ausdauer, Konzentration und Gehorsam ab: eben noch temperamentvoll und verspielt, im nächsten Moment ruhig, aufmerksam und vollkommen fokussiert.

Der Toller bei der Jagd

Realistisch darf in Europa wohl lediglich ein Bruchteil der Toller tatsächliche tollingbasierte Jagderfahrung sammeln. Mittlerweile wurden dafür in Zentraleuropa Tests entwickelt, die tollingtypische Sequenzen nachahmen und die rassetypischen Anlagen abprüfen. In Deutschland ist eine solche Tollingprüfung aktuell Voraussetzung für den Erhalt einer Zuchtzulassung. In Skandinavien ist die Prüfungsinfrastruktur sehr weit fortgeschritten. Die Prüfungen haben mittlerweile einen kompetitiven Charakter und wurden um weitere Elemente wie die Verlorensuche, Doppelmarkierungen und Blinds ergänzt. All dies ist ein Beleg für die europäischen Bemühungen, den Toller im Lichte seiner Ursprungsverwendung zu sehen und die rassetypischen Anlagen zu bewahren. In Deutschland werden diverse Toller jagdlich, z.B. bei Drück-, Treibjagden, klassischen Entenjagden oder Nachsuchen eingesetzt und können sich hier neben klassischen Jagdhunderassen gut sehen lassen.

Tollingprüfung Anfängerklasse in Schweden

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